11. September 2026

Kein sichtbares Katzenproblem – weil Tierschützer es verhindern

Unsere Pressemitteilung zur Debatte um eine kommunale Katzenschutzverordnung: Warum die Abwesenheit eines sichtbaren Problems kein Beleg dafür ist, dass keines existiert.

Pressemitteilung des Tierschutzvereins Bühl e.V., veröffentlicht in den Badischen Neuesten Nachrichten am 11. September 2026. Anlass war der Artikel „Katzenstreit geht in die nächste Runde” vom 5. September 2026.

Im Artikel wird eine Aussage der Stadt Baden-Baden zitiert, wonach es „keine Anhaltspunkte für eine erhöhte Katzenpopulation” gebe. Als 1. Vorsitzender möchte ich mir zur Situation im Speziellen hier kein Urteil erlauben. Allerdings sind uns als Tierschützern solche Aussagen in der nun fast 40-jährigen Geschichte des Tierschutzvereins Bühl leider sehr bekannt. Wir bewerten sie als systematische Verwechslung von Ursache und Wirkung.

Es gibt in Baden-Baden und auch in den umliegenden Landkreisen oder Gemeinden kein sichtbares Katzenproblem, da es Tierschützer in Jahrzehnten ehrenamtlicher, kräftezehrender Arbeit in Kooperation mit Tierärzten unter Einsatz von Spendengeldern aus der Bevölkerung verhindern. Auch wir als Tierschutzverein Bühl e.V. nehmen regelmäßig verwilderte Katzen aus Baden-Baden oder den umliegenden Gemeinden auf: Adulte Tiere werden kastriert und wieder zurückgesetzt, Jungtiere nach der Sozialisierung an Tierfreunde vermittelt – mit vertraglich verbindlicher Kastrationspflicht. Wenn hier also der Ruf nach Konkretisierung der tatsächlichen Fallzahlen laut wird, so sind wir gerne bereit, über die weit über 1.300 Katzen Auskunft zu geben, die allein in den letzten zehn Jahren durch unsere Hände gegangen sind.

Die Tierschutzorganisationen (und auch so manche Privatperson in Eigenregie) leisten freiwillig genau das, was eine Katzenschutzverordnung verbindlich regeln würde. Wenn eine Population also nicht explodiert oder bei einer Ortsbegehung nicht sichtbar wird, ist das aus unserer Sicht eben kein Beleg für die Abwesenheit des Problems, sondern der Beweis, dass die Maßnahme „Katzenschutz” wirkt.

Wie schnell es kippen kann, erleben wir Jahr für Jahr selbst. Aus einer nicht kastrierten Katze werden im nächsten Jahr sehr schnell zehn bis zwölf Katzen. Dieser Mechanismus ist keine Einbildung der Tierschützer, sondern folgt der bekannten Katzenpyramide.

Als Tierschutzorganisation sind wir es leid, über die Notwendigkeit einer Katzenschutzverordnung immer wieder diskutieren zu müssen. Eine kommunale Katzenschutzverordnung tut nicht weh, sie verpflichtet Halter lediglich dazu, Freigängerkatzen kastrieren und kennzeichnen zu lassen und somit aktiv Katzenelend zu verhindern. Sie schafft uns als Tierschutzverein die rechtliche Basis, Tiere, die bei Fangaktionen in unsere Lebendfallen geraten, kastrieren zu dürfen, ohne Gefahr zu laufen, von „Katzenvermehrern” der Sachbeschädigung bezichtigt zu werden.

Die Forderung nach einer offengelegten Datenbasis ist richtig. Diese Daten sollten allerdings auch erfassen, wie viele Tiere von Vereinen außerhalb der zu Baden-Baden gehörenden Gemeinden versorgt und kastriert wurden. Erst dann entsteht ein vollständiges Bild, das mit hoher Wahrscheinlichkeit anders aussieht als das bisher gezeichnete.

Markus Kühl 1. Vorsitzender, Tierschutzverein Bühl e.V.


Nachtrag: Dass dieses Problem längst nicht nur ein lokales ist, zeigt der Brandbrief an die Bundesregierung, den wir gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund und 775 weiteren Tierschutzvereinen unterzeichnet haben. Die Forderung dort ist dieselbe – nur bundesweit.